5/05/2015

5 Merkmale einer guten Hundeschule

Als vorbildlicher, frisch gebackener Welpen- oder Secondhandhundbesitzer begibt man sich auf die Suche nach einer "guten" Hundeschule. Oder eben wenn man ein Probem hat an dem man arbeiten möchte. Doch woran erkennt man eine gute Hundeschule? Lotta und ich haben schon so einige Hundeschulen durch. Was nach meinen Erfahrungen eine gute Hundeschule auszeichnet erfahrt ihr nach dem Sprung.

1. Keine Diagnose ohne Anamnese
Hierzu möchte ich eine kurze Anekdote erzählen: Anfang des Jahres war Lotta wieder ziemlich von der Rolle und fiel in alte Verhaltensweisen zurück. Ein flüchtig bekannter Fotograf gab einen kleinen Fotokurs und ich machte den Fehler Lotta mitzunehmen. Wir waren schliesslich draussen und vielleicht könnten wir ein Modell gut gebrauchen. Leider war an diesem Tag viel los. Lottas bellte Passanten, Kinder und andere Hunde an. Dabei zerrte sie an der Leine, sodass ich mich auf den Kurs gar nicht konzentrieren konnte. Am Ende des Tages war ich genervt, gestresst und frustriert. Ein paar Tage später lief eben dieser Bekannte morgens vor unserem Haus her. Ich stand auf der Terasse, Lotta bellte. Er berichtete von einer Freundin, die gerade eine "ganz tolle Hundeschule" eröffnet hätte. Er habe ihr von Lotta erzählt. Ich könne dort ruhig mal vorbeikommen. Lotta bräuchte dringend eine Aufgabe! Da sie keine Aufgabe habe würde sie bellen. Ich lächelte milde, bedankte mich für das Angebot und ging ohne nach dem Namen dieser tollen Hundeschule zu fragen. Wer ohne einen Hund gesehen, ohne die Erfahrungen des Besitzer gehört zu haben, ohne eventuelle gesundheitliche Ursachen erfragt zu haben und auf Basis der Schilderungen eines Dritten ohne jegliche Hundeerfahrung eine Diagnose stellt, kann kein guter TrainerIn sein!
Solltest du an einem konkreten Problem mit deinem Hund arbeiten wollen, dann sollte der/die TrainerIn
-genau Fragen in welcher Situation diese Problem auftritt und wie es sich entwickelt hat
-hinterfragen ob der Hund gesund ist/war
-sich die Situation in dem das Verhalten auftritt selbst ansehen


2. Erfahrung aus erster Hand
Der/die TrainerIn hat selbst Erfahrung mit unterschiedlichen, schwierigen Hundcharakteren und Rassen gesammelt. Menschen die bislang ein oder zwei Golden Retriever Hunde erfolgreich erzogen haben und dann "Hundetrainer" geworden sind, tendieren dazu die eine Methode, die bei den eigenen Hunden funktioniert hat jedem Kundenhund überzustülpen. Nur wer selbst schon Hundeerziehungsprobleme erfolgreich gelöst und unterschiedliche Methoden ausprobiert hat, kann dies auch weitervermitteln. Daher ist es auch ein gutes Zeichen, wenn die Trainerhunde einen entspannten, gut erzogenen Eindruck machen.

3. Moderation im Freilauf
Wenn der Chihuahua das mit dem Rottweiler "unter sich klärt" nennt man das natürliche Selektion. Das ist zwar noch nicht bei jedem Hundehalter angekommen, sollte aber in einer guten Hundeschule selbstverständlich sein! Der/die TrainerIn moderiert also aktiv den Freilauf, erklärt was vor sich geht und wann wie eingegriffen werden muss. Herrchen und Frauchen werden angesprochen um ihren Rüpel zu bremsen oder ihr Mobbingopfer zu retten. Denn als Halter schätzt man häufig das Verhalten des eigenen Hundes nicht objektiv ein: "der will nur spielen" - Ihr kennt das...  Ein gutes Zeichen ist hingegen wenn der Freilauf auch mit unterschiedlichen Rassen, Charakteren und Größen, bis auf seltene Ausnahmen harmonisch verläuft, weil aufkeimende Konflikte erstickt werden bevor sie eskalieren. Außerdem sollte Hundeschule nicht nur aus Freilauf bestehen. Weder bei den Fortgeschrittenen noch in der Welpengruppe.

4. Klare Linie
Es wird eine klare Linie gefahren. Sollte es mehrere Trainer geben, gibt es einen Erziehungskonsens, d.h. man bekommt bei allen Trainern auf eine Frage eine zumindest ähnliche Auskunft. Alles andere sorgt für Unsicherheit.
Sollte es in einer Gruppe einen Querschläger geben, wird auch mal Klartext gesprochen. Ich hatte einen Hundehalter in einem Kurs der immer wieder diskutierte, grunsätzliches immer wieder in Frage stellte, um dann doch so mit seinem Hund zu verfahren wie er es für das Beste hielt.. Dies führte dazu, dass eben jener Hund wiederholt die ganze Gruppe aufmischte. Es ist ein gutes Zeichen wenn es sich eine Hundeschule leisten kann, sich von beratungsresistenen Kunden zu verabschieden. Im Interese aller Beteiligten...

5. Der Erziehungsstil - Wattebäuschen oder lieber die 'harte Tour'?
Letztlich bleibt das natürlich jedem selbst überlassen. Ich persönlich finde, dass in den meisten Lebensbereichen der mittlere der beste Weg ist. Man kann nicht nur positiv bestärken, denn jeder Hund wird auch mal Grenzen übertreten. Da ist es dann für mich wie in der Kindererziehung. Bestimmte (gefährliche) Dinge werden einfach nicht diskutiert. Es muss erlaubt sein bestimmt Grenzen aufzuzeigen ohne, dass man den Hund einschüchtert oder gar die Beziehung zwischen Hund und Halter leidet. Das ist nicht nur nach dem eigenen Geschmack, sondern auch nach Charakter des Hundes eine Gradwanderung und erfordert viel Einfühlungsvermögen. Die "Erziehungsmethoden' sollten daher individuell auf den Charakter deines Hundes und auch auf dich abgestimmt sein. Du solltest dich damit wohlfühlen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Hundeschulen gemacht? Was ist euch besonders wichtig?




1 Kommentar:

  1. Ein sehr schöner Bericht. Besonders gelungen finde ich diesen Satz hier "Wenn der Chihuahua das mit dem Rottweiler "unter sich klärt" nennt man das natürliche Selektion." *haha* natürliche Selektion, das gefällt mir ;-)

    Wir waren mit Lilly nur kurz in der Hundeschule, da wir einfach keine passende gefunden haben. Da Lilly nicht unser erster Hund ist, wussten wir zumindest zur "Grunderziehung" schon so einiges und haben die Sache dann einfach selbst in die Hand genommen. Im Herbst 2013 war dann der Moment, wo wir nicht mehr weiter wussten und haben dann Einzelstunden genommen. Nach diesem Trainer haben wir sehr lange und sorgfältig gesucht und wurden somit auch nicht enttäuscht.

    Eine gute Hundeschule zu finden ist leider nicht immer einfach, besonders, wenn man noch nicht so viel Erfahrung mit Hunden sammeln konnte. Deswegen finde ich es super, dass du hier die Merkmale herausgearbeitet hast, an denen man erkennt, wer eine gute Hundeschule führt :-)

    Liebste Grüße

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