4/19/2015

Unsere Geschichte

"Ach ist die süss" Ja, diesen Kommentar haben wir zu Lotta schon sehr oft gehört. "Alles nur Fassade" kann ich da nur sagen. Lotta ist kein normaler Hund und noch nicht mal ein normaler Terrier. Sie ist ein Terrier+

Die Entscheidung für einen Hund

Lotta mit 9 Wochen
Seit Jahren schaute ich begeistert Martin Rütter, sittete die Hunde von Studienkolleginnen und beschäftigte mich mit unterschiedlichen Rassen. Ich wollte einen kleinen, sportlichen und gesunden Hund, der mich so viel wie möglich begleiten sollte. Nachdem ich den Reitsport an den Nagel gehängt hatte, wollte ich unterschiedliche Hundesportarten ausprobieren und mich viel mit ihm beschäftigen.

Im Sommer 2012 kam Lotta mit 8 Wochen nach einem lange gehegten Hundewunsch und vielen Besuchen unterschiedlicher Zuchtstätten und Würfen von ihrer Züchterin zu mir. Dass Terrier erziehungstechnisch nicht gerade die Einstiegsmodelle unter den Hunderassen sind, war mir natürlich bereits zu Ohren gekommen. Aber theoretisch war ich ja schon ein Hundeprofi und überzeugt wenn ich Lotta von Beginn an überall mitnehmen und entspannt mit ihr umgehen würde, würde sie ein unkomplizierter gesellschaftsfähiger Hund werden. Es sollte anders kommen...


2012 - das erste Jahr
Lotta mit 7 Monaten - nach der OP

Wir hatten das Glück an eine sehr gute Hundeschule zu geraten. Diese besuchen wir seit dem und auch heute noch wann immer wir in der Heimat sind.
Nach unserem Umzug besuchten wir einen Hundeverein und nutzten die Gelegenheit sämtliche Kurse auszuprobieren: Grunderziehung, Agility, ZOS. Bis dahin war Lotta ein sehr aufgeweckter und für mein Verständnis passabel erzogener Junghund. Sie kam zwar schlecht zur Ruhe, was aber erstmal nicht untypisch für ihre Rasse ist. Ende September 2012 machte ich das erste Mal die Erfahrung, dass nicht alles ganz unkompliziert läuft wenn man entspannt und unkompliziert mit seinem Hund umgeht. Lotta, damals 7 Monate alt wurde auf unserem Spaziergang von einer erwachsenen Rottweilerhündin gebissen. Der gesamte Hergang dieses Vorfalls würde diesen Post sprengen. Nur so viel: Ich konnte Lottas Bein nur mit Hilfe einer anderen Hundebesitzerin (nicht der des Rottweilers natürlich) befreien. Lottas Bein wurde an drei Stellen mit insgesamt 17 Stichen genäht. Sie hat keine physischen bleibenden Schäden. Ich bin mir aber nicht ganz sicher was dieser Vorfall zu ihrer weiteren Geschichte beigetrage hat.

2013 - Jahr 2, Probleme
Im darauf folgenden Jahr saß oder flüchtete Lotta, die schon vor besagtem Vorfall für einen Terrier eher ängstlich war, in der Hundeschule unter dem Tisch. Sobald ein ungestümerer Hund dabei war oder jemand anderes seinen Hund korrigierte ergriff sie die Flucht. Dieses Verhalten wurde mit viel Geduld im Laufe des Jahres besser.
Trotzdem traten in diesem Jahr nach und nach einige Probleme auf. Ich erinnere mich an den Besuch bei einer Freundin bei dem Lotta die ganze Nacht durchbellte und nicht zu beruhigen war. Am nächsten Morgen war ich fix und fertig. Ich ging mit Lotta in den nächsten Park, setzte mich auf eine Bank, rief meine Trainerin an und fing an zu heulen. Und dies sollte nicht der einzige Nervenzusammenbruch in diesem Jahr bleiben.
Lotta 2013 - ist sie nicht süß ? ;-)
Lotta war sehr unruhig. Sie reagierte auf jedes Geräusch mit kläffen. Häufig rannte sie durch de Wohnung, jaulte und bellte ohne ersichtlichen Grund. Den Rat den ich immer wieder auch im Hundeverein zu hören bekam: "das ist ein Terrier, der muss richtig ausgelastet werden". Also fuhr ich das Pensum noch weiter hoch, über meine eigene Belastungsgrenze hinaus. Lotta begann auch zuhause nachts immer wieder anzuschlagen. Die Probleme schossen wie Pilze aus dem Boden. Unser Alltag wurde zum Spiessrutenlauf. Lotta knurrte mich in unterschiedlichsten Situationen an: wenn ich sie streichelte, im Fussraum wenn wir irgendwo mitfuhren und in ihrer Autobox. Sie kam an liess sich streicheln und forderte sogar dazu auf um dann zu knurren. Sie in den Biergarten oder ein Restaurant mitzunehmen, daran war nicht mehr zu denken, denn dort knurrte sie jeden der am Tisch vorbei ging an. Dass Lotta so süss ist, war (und ist) gerade zu dieser Zeit Fluch und Segen zugleich. Ständig muss ich Leute davon abhalten Sie einfach zu streicheln und dabei manchmal auch mal handgreiflich werden. Das Klettern gab ich auf, denn in der Kletterhalle wurde Lotta bedrängt obwohl ich ein "Bitte nicht streicheln"-Schild aufstellte. Angestarrt, angesprochen  und gestreichelt wurde sie trotzdem, sodass Sie knurrte und bellte. Das Vertrauen zu Lotta war gebrochen als sie das erste Mal nach mir schnappte. Ich konnte mir ihr unberechenbares Verhalten nicht erklären. Natürlich suchte ich in dieser Zeit mehrmals unterschiedliche Tierärzte auf. Allgemeine Untersuchungen blieben ohne Befund. Da sie vor allem abends auffällig missgelaunt war, liess ich ihre Augen untersuchen. Um zu erfahren: Lotta kann sehen wie ein Adler ;-) Neben all den schizophrenen Verhaltensweisen kamen aber auch die ganz "normalen" Probleme wie unkontrolliertes Jagen, Futter- und Leinenaggression. Freunde und Familie rieten mir vorsichtig Lotta abzugeben. Ich machte mir Vorwürfe und hatte das Gefühl versagt zu haben.
Als Lotta meinen Bruder zum wiederholten Mal angriff und aus der Küche vertrieb war das Maß voll. Ich gestand mir ein, dass es so nicht weiter geht und ich mit meinen Kräften am Ende bin. Ende 2013 rief ich in der nächsten Martin Rütter Hundeschule an. Wir vereinbarten einen Termin vor dem ich nochmal zur Tierärztin geschickt wurde. Meine Tierärztin untersuchte auf Borreliose, Anaplasmose und erstellte ein Schilddrüsenprofil. Das Ergebnis kam wenige Tage später: Lotta hat eine Schilddrüsenunterfunktion. Sie wurde medikamentös eingestellt und wir begannen mit dem Dogs-Training. 2013 endete mit einem Notfalltermin zwischen Weihnachten und Neujahr, weil Lotta sich durch die Stoffbox biss, als sie meinen Bruder sah.

2014 - kleine Erfolge, Tierarzt- und Trainerexperimente
Anfang des Jahres nach einer erneuten Blutuntersuchung wurden Lottas Dosierung der Schilddrüsenhormone nochmals erhöht und schlagartig merkte ich eine Besserung. Sie bellte weniger und die Begrüßung war   unterwürfig statt aggressiv. Im März fuhren wir in den Urlaub. Weil Lotta nach wie vor beim besten Willen Freunden, die sie sonst nahmen nicht zuzumuten war, machte sie eine Woche Erziehungsurlaub bei der Dogs-Trainerin. Als ich sie wiederbekam war sie nochmals merklich ruhiger. So schlossen wir das Einzeltraining ab.
Lotta 2015 auf dem Bundeschampionat
Ich hatte mir und Lotta zu Liebe aufgegeben, Lotta zu etwas was kein normaler Spaziergang war mitzunehmen. Im Laufe des Jahres probierte ich immer wieder mal ihr und mir wieder etwas zuzumuten. Auf dem Bundeschampionat in Warendorf schlug sie sich sehr wacker. Im Jahr davor die blanke Katastrophe, doch 2014 konnten wir ohne Stress und Kläfferei das schöne Wetter geniessen und den Sport verfolgen.

Lottas Autobox stellte nach wie vor einen großen Stressfaktor dar. Lotta knurrte sobald ich die Box schliessen wollte. Irgendwann ging sie dazu über nicht mehr ins Auto zu springen. Reinheben konnte ich sie allerdings auch nicht, denn dann schnappte sie nach mir. Wir probierten nochmal einiges aus: eine weitere Trainerin, ein Schilddrüsenspezialist, eine Tierärztin mit Homöopathie-Schwerpunkt, die Umstellung auf Barf. Ich kann nicht sagen was letztlich den den Ausschlag gegeben hat, aber im Sommer 2014 war das Zusammenleben mit Hund genau so wie ich es mir vorgestellt hatte. Wir gingen viel Joggen und Lotta lief unbeschwert nebenher.
Am Rande war für uns 2014 ausserdem das Jahr der Schleppleine und des Anti-Jagd-Trainings.

An den Spruch der Dogs-Trainerin muss ich noch heute oft denken: "Jeder bekommt den Hund, den er zum lernen braucht". Er hilft mir Lotta so anzunehmen wie sie ist.

2015 - und heute?
Mit Lotta ist es ein Auf und Ab. Anfang diesen Jahres war sie wieder nicht gut drauf. Wir haben nochmal die Blutwerte kontrolliert und Richtung Umwandlungsstörung überlegt. Daraufhin hatte Lotta Bauchschmerzen. Nun haben wir ernährungstechnisch nochmal umgestellt und toi-toi-toi es läuft endlich wieder besser..
Anfang des Jahres auf einer unserer ersten Joggingrunden hatten wir aber auch ein Erfolgserlebnis: Lotta liess sich von einem Reh abtrillern. Ich bin fast vor stolz geplaz.

Lotta wird nie ein unkomplizierte Hund sein, so wie ich es mir mal vorgestellt hatte, aber ich kann mit Ihren Ticks leben. Wir haben immer noch Baustellen:
-Lotta lässt sich von anderen nicht ableinen.
-Im Urlaub kann ich sie nur besonders belastbaren Freunden, die Lotta gut kennen anvertrauen. Denn Lottas Ticks passen auf keine Urlaubs-Einweisungs-Liste.

-Auch das Schliessen der Box und das Auto sind noch ein Thema. Immer abhängig von meiner und Lottas Tagesform.

Wir arbeiten daran und lassen euch daran teilhaben...

Warum ich das alles niederschreibe? 
1. Um zu erklären: Ja Lotta ist süß, aber mehr als ein normaler Hund und auch kein normaler Terrier. Sie ist besonders. Ein Terrier Plus+
2. Ich will abderen Mut machen. In meinem Lottaleben läuft wirklich nicht alles rund. Wir tragen es mit Fassung, vetrauen auf unser Bauchgefühl und geben unser Bestes. Ich fand es immer tröstend von anderen zu lesen, die auch einen 'besonderen' Hund haben, an dem sie verzweifeln und wegen dem sie schon Tränen vergossen haben. Schön fand ich zb den Beitrag von Lilly und von canistecture.
3. Um eine Grundlage für diesen Blog zu schaffen: Unser Verschleiss an Quaksalbern, Tierärzten und Hundetrainern ist sehr viel höher als der an Spielzeug. Wir haben schon einiges ausprobiert und wollen weitergeben was wir gelernt haben.

Bis zum nächsten Mal :)

P.S.: So lange Posts werden nicht zur Gewohnheit, versprochen ;o)







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